→ Kommentar zum Text Der Bluff der Internetversteher in der Taz.
Im ganzen Artikel klingt hier mit, dass das Internet nichts wesentliches ändert. Aus der Sicht einiger Weniger ist das auch wahr: Für einen bestimmten Personenkreis ändert das Internet nämlich (fast) nichts: Für diejenigen, die vorher bereits die Zeit und das Geld hatten, ihre Meinung mit anderen zu teilen.
Anders gesagt: Der Intelligenzia1 bietet das Internet nichts - außer der Möglichkeit, mit denen zu diskutieren, die früher nicht sprechen konnten.
Für den Großteil der Menschen bietet das Internet dagegen sehr wohl etwas neues: Die Möglichkeit zu jeder Zeit mit jeder Person in Kontakt treten zu können.
Es heißt, die Druckerpresse gibt Redefreiheit denen, die sich eine Presse leisten können.
Das Internet gibt Redefreiheit jedem, der sich einen Internetanschluss leisten kann. Und das trifft in Deutschland, wie sie gezeigt haben, auf einen breiten Querschnitt der Gesellschaft zu: Von Jugendlichen bis hin zu über 50 jährigen (von denen ihrem Artikel nach 50% bis 75% bereits online sind).
Wenn Politiker über das Internet Antworten geben, dann sind sie für deutlich mehr Menschen zugänglich, als wenn sie nur Briefe lesen.
Wenn Politiker auf einem eigenen Blog schreiben, können sie viele Menschen erreichen, ohne dass ihre Aussagen durch zentral kontrollierte Medien verfälscht werden.
Und das gleiche gilt für jede Einzelperson. Es gibt damit keine strukturelle Informationshoheit der Politiker und Massenmedien über die Masse der Leute mehr. Informationshoheit wurde zu einem sozialen Effekt, der auf sozialem Weg durchbrochen werden kann. Es gibt finanzielle Verfälschungen des sozialen Informationsflusses, aber keine harten Grenzen mehr.
Um ihre Argumente zu verbreiten, muss die Intelligenzia sie jetzt so verfassen, dass die Masse sie lesen kann. Sie muss sich nicht mehr notwendigerweise denen andienen, die den Informationsfluss kontrollieren. Auf diese Art ist auch die Intelligenzia unabhängiger geworden - allerdings nur der Teil von ihr, der Probleme mit den Herrschenden hatte. Also wirkliche Intellektuelle, die von der Bevölkerung ernst genommen werden können.
Nicht zuletzt macht es das Internet außerdem sehr einfach, Leute mit ähnlichen Interessen zu finden. Um das mal zu belegen:
» @ArneBab thank you!! Twitter makes things not-so-anonymous! it's like I have a whole bunch of gaming buddies I haven't met yet in my pocket! «
— growingupgamers
Diese informelle Gemeinschaft zwischen Fremden können normale Leute nur dank des Internet erleben.
Wenn Politik nicht an unverhandelbaren, historisch gewachsenen Idealen und politischer Professionalität festgemacht ist, kann sie Umverteilungsprozesse zugunsten der Mehrheit weder legitimieren noch organisieren.
Wieso das? Man könnte ja auch einfach über die Ideale abstimmen…
Wer sich an dem Ausdruck „Intelligenzia“ stört kann den Artikel lesen. Dort steht „Intelligentsia“, was sich für mich so fremdartig anfühlte, dass ich lieber eine gleich klingende aber einfacher lesbare Schreibung gewählt habe. Wikipedia verlinkt beides auf die russische Intelligenzija. ↩
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4 Stunden später, immernoch
4 Stunden später, immernoch nicht freigeschaltet…
Die Taz lässt sich in letzter Zeit viel Zeit mit dem Freischalten von Kommentaren…